Über die Musik in Zeiten von Corona

Über die Musik in Zeiten von Corona
Die Sommerserenade 2019 wie sie dieses Jahr nicht möglich ist. (Foto: Anton)

Alles ist anders; alle Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt; sogar, dass wir zur Schule gehen können! Die Realität ist erschüttert – aber wir haben ja die digitale Ersatzwelt, die uns ja seit Jahren als Allheilmittel und Paradieswelt zugeredet wird und vielleicht auch erscheint.  Jetzt wurden uns die Möglichkeiten, aber vor allem auch die Grenzen des Digitalen deutlich. Und die Musik trifft es besonders hart.

Dabei hat alles so gut angefangen in diesem Schuljahr.  Die Chor- und Orchesterfahrten im Februar waren wundervoll, das Kooperationskonzert in der Grieshaberhalle stand unmittelbar bevor….. Abgesagt! Und die Sommerserenade auch! Wir haben sie doch so gelungen in Erinnerung: musikalisch, organisatorisch und in der Gesamtstimmung! Und wir hatten uns alle riesig auf dieses Fest der Musik gefreut!

Kein Unterricht in der Schule heißt natürlich auch keine AGs. Und digital im Chor singen, ein digitales Orchester geht einfach nicht! Allein schon wegen der technischen Seite: Es gibt kein Videokonferenzprogramm ohne  Zeitverzug! Für den Einzelunterricht auf dem Instrument gibt es ersatzweise immerhin den Digitalunterricht über Zoom und Moodle. Das Praktizieren auch die Bläser und die Streicher aus den Klassen 5: Da gibt es beispielsweise bei den jungen Streichern echte Überflieger, die alles gesendeten Stücke sofort spielen können, oder gar die, die mit ihrem Papa zuhause wunderschöne Stücke gemeinsam musizieren. Welch  eine Freude, dass es so etwas gibt! Aber es hat nicht jeder so einen Papa……  und dann braucht es die Schule!

Was im Einzelunterricht oder mit den Streichern und Bläsern Klasse 5 über Videokonferenzen vielleicht noch geht, das funktioniert bei den Orchestern und Chören nicht; es gibt es keine Möglichkeit, gemeinsam das zu tun, was sonst unser Leben so sehr bereichert. Und immer nur einzeln für sich üben, das liegt auch nicht allen! Wenn ich in diesen Zeiten mit SchülernInnen aus den Orchestern spreche, dann höre ich: Das Schulorchester fehlt! Es fehlt als Treffpunkt mit Freunden und es fehlt auch  und vor allem als Motivation für das eigene Üben. Wenige haben den Drang, das Instrument nur  für sich selbst alleine zu üben, um sich „solo“ auszudrücken, als Weg der Sinnfindung, der Konzentration, der  Lebensschulung…….  Die allermeisten merken, dass das Musikmachen eine zutiefst soziale Angelegenheit ist. Kommunikation in Tönen, sinnvolles gemeinsames Tun. Und: Es fehlt uns! Wir sind andere Menschen!

Wie wird weitergehen? Mit den Streichern vielleicht schon bald; wenig Infektionsgefahr! Mit den Bläsern?… Naja! Mit den Chören…… Das wird nicht einfach: Singen, das kommt gleich nach Küssen! Mit Frau Häfele haben wir eine Schulleiterin, die um die Bedeutung der Musik für den einzelnen Menschen, für das Miteinander und das Schulleben weiß und die uns das Mögliche möglich machen wird. Das ist nicht selbstverständlich! Man könnte auch anders denken; Musik, Kunst… wozu braucht man das; Halten wir zuerst die harten Hauptfächer hoch! Insofern können wir bezüglich der Musik am IKG sehr froh und dankbar sein.  Es wird weitergehen, vielleicht sogar besser als vorher, denn wir werden uns des Wertes des gemeinsamen Musizierens wahrscheinlich mehr bewusst sein als vorher.

Ich habe eine Vision: Wenn denn die Pandemie überwunden ist, dann veranstalten wir mit dem IKG einen großen Flashmop mit Beethovens „Ode an die Freude“: auf dem Reutlinger Marktplatz. Das Stück war ja als Zugabe bei der Sommerserenade gedacht: Erst eine Blockflöte, dann ein Cello, ein Bass und dann immer mehr Instrumente, bis es ein großes Orchester wird; Und dann allmählich die SängerInnen aus den Chören und dann alle SchülerInnen und Lehrer mit der Melodie (die ja jede(r) kennt oder schnell lernt)….- Das wäre ein Fest der Musik und ein Manifest der Freude und der Freiheit ! Und es wäre toll, wenn uns das noch im Beethoven-Jahr gelingen würde!

Gastbeitrag von Wolfhardt Witte

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